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OHLIGSER

JONGENS

Düstere Aussichten für Einkaufscenter

Ohligs Markt - Blickrichtung Aachenr Straße

Das Thema O-Quartier wird uns weiter beschäftigen. Kürzlich meldete sich die Gräfin von Thun und Hohenstein Veit zu Wort und kündigte an, in diesem Jahr den Bauantrag stellen zu wollen. Die Bestandsaufnahme der jetzigen Situation und der Pläne für die Zukunft fällt jedoch ernüchternd aus. Unser Mitglied Michael Morsbach warnt eindringlich vor den Gefahren eines Einkaufscenters unter den derzeitigen Voraussetzungen: Die schlechte Anbindung zu Markt und Fußgängerzone sowie das fehlende „Knochenprinzip“ sind nur zwei Probleme, die sogar zum Niedergang des Ohligser Einzelhandels und zur Verödung des Stadtteilzentrums führen könnten.
Frage: Vier Jahre sind vergangen, seit die Politik das O-Quartier absegnete. Wie beurteilst Du die Entwicklung seither?

Michael Morsbach: Das Projekt wurde entgegen der Warnungen von renommierten Experten durchgewunken. Einwände der sogenannten „Kritiker“ fanden in verschiedenen Punkten ebenfalls keine Beachtung. Die Handlungsfähigkeit der Verwaltung wurde durch den mangelhaften und investorbezogenen städtebaulichen Vertrag aus der Hand gegeben.

Nachdem die Abrissgenehmigung bereits im Jahre 2013 erteilt wurde, verkündeten Investor und Verwaltung über die Presseorgane fast monatlich neue Wasserstandmeldungen. Angeführt von Stadtdirektor Hartmut Hoferichter und der Gräfin war schnell von Eröffnung des Centers im Jahre 2014 die Rede. Geschehen ist seitdem nichts.

 

Michael Morsbach

Frage: Im August richteten die Jongens eine Infoveranstaltung mit dem Titel „Zukunft Ohligs“ zur Stadtentwicklung in der Festhalle aus. Welche Erkenntnisse ergaben sich daraus?

Morsbach: Darin gab Stadtplaner Dr. Holger Pump-Uhlmann einen düsteren Ausblick auf die Umsetzung des O Quartiers. Er begründete das unter anderem mit der zwischenzeitlich veränderten Einzelhandelslandschaft, der Randlage, der mangelnden Anbindung zur 1a- Lage, fehlendem Knochenprinzip und der Überdimensionierung der Einzelhandelsfläche.

Ohne grundlegende konzeptionelle Änderungen würde das Center unweigerlich scheitern, begleitet vom Niedergang des bestehenden Einzelhandels.

Frage: Welche Voraussetzungen müssten denn geschaffen werden, um ein solches Center gewinnbringend in den Stadtteil einzubinden?

Morsbach: Zunächst muss das Center in die 1 a-Lage integriert werden. Eine Mindestanforderungwäre der Abriss beider Häuser gegenüber Schälte als Durchgangsbereich zur Düsseldorfer Straße. Wichtig wäre eine Realisierung des Knochenprinzips mit Frequenzaustausch: Im oberen Bereich der Düsseldorfer Straße müsste die gleiche Kaufkraft wie im Umfeld des Marktes herrschen, das ist aber nicht der Fall.

Eine Verschiebung der 1a-Lage in Richtung Center würde zur Beschleunigung der Leerstände führen. Das O-Quartier liegt in einer schlechten Randlage der Stadt ohne richtige Anbindung zum Markt. Zur Vermeidung von „Kofferraumkäufern“, die sofort wieder weg sind, muss das Parkangebot im öffentlichen Raum angepasst werden, das heißt, die Anzahl der Parkplätze im hinteren Bereich des Centers sind zu reduzieren, mehr Parkflächen im Innenstadtbereich müssen entstehen. Die Doppelbelegung von Warengruppen ist auszuschließen. Zusätzlicher kleinteiliger Einzelhandel im Center als Konkurrenz zum bestehende Einzelhandel ist zu vermeiden.

Frage: Welche Schlussfolgerungen ziehst Du daraus? Besser kein Center als eins unter den jetzigen Bedingungen?

Morsbach: Aufgrund der künftigen Entwicklung des innerstädtischen Einzelhandels, Stichworte Internet/Discounter, bleibt nur die dringende unaufschiebbare Ansiedlung einer Nahversorgung bei gleichzeitigem Bestandsschutz des örtlichen Handels. Wird die eingereichte Bauvoranfrage positiv beschieden, haben wir aus meiner Sicht ein massives Problem. Es droht die Verödung der Ohligser Innenstadt. Die Alternative läge in der Schaffung eines neuen Angebots zur Nahversorgung, womöglich der Ergänzung der Einzelhandelsfläche durch wenige hochwertige Anbieter und zusätzlichen Wohnungsbau. Das bedingt zum Beispiel eine einvernehmliche Aufhebung oder Änderung des städtebaulichen Vertrages, um einen für den Stadtteil verträglichen Lösungsweg zu ebnen.

Parallel dazu brauchen wir eine verbesserte Infrastruktur durch Aufwertung der Düsseldorfer Straße, um die immer schlechter werdende Ausgangslage zu den Nachbarstädten zu verbessern, man muss also sogenannte „weiche Standortfaktoren“ aufwerten. Grundlage und Richtschnur muss die weitere Entwicklung der Rheinschiene sein, über die die Politik seit Jahren nur redet, die sie aber nicht im Ansatz realisiert.